Mosaik – Cyan-Rot (Interview & Review)

Mosaik mit Review & Interview zur "Cyan-Rot" EP

Mosaik hat nach dem großen Erfolg seines Albums “Dreidimensional” bereits das nächste Projekt am Start. Das Portal Rap4you.de hat zu diesem Projekt namens “Cyan-Rot” eine Review geschrieben, welche aber aus zeitlichen Gründen nicht veröffentlicht werden kann. Wir möchten Euch die Review und das Interview aber nicht vorenthalten und so haben wir die Erlaubnis zur Freigabe von Rap4you bekommen und diese 1:1 hier veröffentlicht:

Mosaik ist ein Ausnahmekünstler – und zeigt dies auf seiner neuen Platte Cyan-Rot

– Review –

Der 20jährige Künstler Mosaik macht eine Mischung aus Hip-Hop und Indie. Zeitgemäßer Sound trifft auf Innovation, die beim Publikum gut ankommt. Nicht umsonst gilt der sympathische Oberpfälzer spätestens seit Dreidimensional als einer der interessantesten und begehrtesten Upcomer im Freistaat. Nach einigen ereignisreichen Wochen, die hinter ihm liegen, sprechen ich mit ihm über allerhand Persönliches und seine neue EP „Cyan-Rot“.

Nachdem ich 2016 bereits über Mosaiks erste erfolgreiche Platte „Charakter zum Mitnehmen“ berichtet hatte, steht nach dem erneuten Charterfolg mit Dreidimensional (Platz 18, Itunes Hip- Hop) ein neues Projekt des Bayerns vor der Türe: Auf Cyan-Rot haben sechs Songs Platz, welche ich für euch unter die Lupe genommen haben.

Vorab habe ich die Chance genutzt, mit dem Künstler auch über allerhand Privates zu reden.

Um 18 Uhr haben wir uns für ein Skype-Interview verabredet. Um 18.15 kann es losgehen – „Ich hab’ die Begabung, immer unpünktlich zu sein“, beichtet uns Mosaik, der sich in der bayrischen Szene immer mehr vom Geheimtipp zum Shootingstar wandelt. Es wird viel gescherzt, lustige Wortspiele, interessante Geschichten und eine entspannte Atmosphäre – Ein total lockerer, charismatischer Mensch sitzt da vor uns am PC-Bildschirm und grinst frech aus der Skype-App heraus. „Ich geh’ das meiste locker an“ – und das merke auch ich schon sehr früh. Auf den ersten Blick passt das doch gar nicht zu dem an vielen Stellen melancholischen Sound Dreidimensionals – oder doch?

Darauf angesprochen erfahre ich von Konstantin – „nenn’ mich doch bitte Konsti“ 😉 – dass genau das der Schlüssel sei, „mit seiner Musik absolut cool zu werden“. „Weist du, meine Musik kannst du schön finden, dann geht es um Ästhetik. Ästhetik ist für mich, wenn es möglichst düster und kryptisch ist. Wenn du aber unglaublich gerne Texte auseinandernimmst oder einfach mit mir hängst, dann weist du, dass das, was melancholisch klingt, absolut vom Herzen kommt, aber mit Melancholie sehr wenig am Hut hat. Manche Zeilen kannst du, so wie sie im Lied stehen, wörtlich nehmen und bei anderen musst du mal die Perspektive wechseln. Dann hast du sicher auch eine ganz andere Sicht auf das“.

Wir sprechen darüber, wie Mosaik mit der Erwartungshaltung der wachsenden Zielgruppe und den neuen Erwartungen gegenüber sich selbst klar kommt und inwiefern das seinen künstlerischen Prozess verändert hat. Der Wahlregensburger dazu: „Während Dreidimensional hatten wir in der Schlussphase des Albums wirklich viele Situationen, in denen ich (und auch das Team um mich rum) ganze Nächte durchgemacht haben, um vollkommen zufrieden mit dem Endprodukt zu sein. Man sieht am Ende nur das Endergebnis, aber da steckt viel mehr hinter dem Allen: Mixing, Mastering, die Pressetermine, die Vorbereitung und der Videoschnitt. Ganz nebenbei hast du aber auch noch dein Studium und dein Leben laufen, aber ich wollte einfach möglichst viele Aufgaben übernehmen, um auch dem Drumherum meinen Stempel aufzudrücken. Zwei Tage vor Albumabgabe gab es nochmal einen Interviewtermin, da bin ich dann mit dem Bus gefahren, um sogar die 15min auf dem Weg weiter zu arbeiten. Ich hatte eben hohe Ansprüche an die eigene Musik entwickelt. Du glaubst mir gar nicht, wie viele schöne Momente, Partys und Nächte ich vor allem die letzten zwei Monate vor dem Release wegen der Musik verpasst habe. Da gab es dann viel Nachholbedarf“

Wie ich von Mosaik erfahren durfte, gab es das alles aber auch in der einjährigen Entstehungsphase Dreidimensionals und findet sich in den verschiedenen Songs wieder: „Bei manchen Songs werde ich tatsächlich nie vergessen, wann und wieso sie entstanden sind. Gerade die Lieder, die als letztes entstanden sind, ähneln sehr einem Tagebuch und hangeln sich am selben Thema entlang, das eben gerade sehr präsent war. Dreidimensional entstand auch zu 100% nachts oder bei Sonnenaufgang, das hört man manchmal auch“. Aber die Arbeit hat sich ausgezahlt: „Wenn du dann, je näher es Richtung Release geht, immer mehr Nachrichten von Fremden bekommst, die deine Musik gut finden und sich auf das Album freuen, hat man selbst auch akzeptiert, dass es sich gelohnt hat“.

Generell liebt es der Zwanzigjährige, Kontakt mit seinen Fans zu halten: „Ich freue mich über jede Nachricht und versuche auch jedem zu antworten. Selbst, wenn du mir nur sagen willst, dass du meine Musik gerade hörst – schreib’ einfach durch, darüber freut sich jeder. Und auch egal, wie absurd die Anliegen sind. Ich musste zum Beispiel mal einem maximal dreizehnjährigen ins Gewissen reden, dass er seinen echt stark persönlich beleidigenden Disstrack gegen einige Klassenkameraden lieber nicht veröffentlichen soll. Ich glaube, dass er in paar Jahren auch einsieht, dass er da nicht einmal ansatzweise den Takt getroffen hat. Wir hatten unseren Spaß beim Anhören und er entkam nochmal knapp einer Blamage“.

Neue Musik von Mosaik wird im August unter dem Titel „Cyan-Rot“ erscheinen. Die sechs Lieder entstanden „spontan und ohne den Hintergedanken, das veröffentlichen zu wollen“, wie der Zwanzigjährige erzählt, „am Ende war das aber alles unglaublich rund und ich vollkommen zufrieden damit“.

Für viele der Beats zeichnet sich auf dieser EP Mosaik selbst verantwortlich: „Dadurch waren viel mehr Experimente möglich und die Arbeit daran hat unglaublich viel Spaß gemacht“.
In der Tat fallen die Beats auf: Zusammen mit seinem langjährigen Produzenten AREAH wird auch auf Cyan-Rot der Anspruch deutlich, anders zu klingen.

Die EP zeigt darüber hinaus deutlich mehr Facetten als vorherige Mosaik-Alben: Einzig der progressive Rhythmus mit viel Schwung bildet die große Gemeinsamkeit aller Lieder. Wie der Zwanzigjährige mir erklärt, ist das vor allem dem geschuldet, dass viele Songs nach den Sessions im Proberaum für die Livesaison entstanden sind.

Man erkennt jedoch deutlich den typischen inhaltsschweren, metaphorischen Mosaik-Sound, welcher ein großer Faktor für das große Interesse am zwanzigjährigen Bayern ist. Und auch die neue Komponente dieses Klangbildes weis zu gefallen:
So kommt beim Hören der Platte durchaus gute Laune auf – die Songs gestalten sich sehr kurzweilig und immer passiert etwas. Wenn Mosaik behauptet, Cyan-Rot sei ein „lockerer Kreativprozess“ gewesen, kann man dem beim Hören nur beipflichten:

Besonders auf Neben Mir und Ich & Du experimentiert Mosaik und lässt es dabei so wirken, als sei der Sound schon seit Jahren Routine. Auch die technisch einwandfreien Parts wirken locker und unbeschwert – Mosaik ist trotz seines jungen Alters schon lange in der Szene zu Gange und das hört man eben. Im Gesamtbild passt das so heterogen, dass man sich nach dem letzten Track ärgert, dass es sich nur um eine EP handelt.

Neben Vocoder-Sounds gibt es auch noch eine andere Stimme auf der Platte zu hören: Jhange aus Regensburg, welcher wie schon bei Dreidimensional das Artwork gestaltete, liefert auf Ozeanund Wegen Dir ansprechende Gastbeiträge. Eben erwähntes Feature Wegen Dir wirkt in sich sehr geschlossen und bietet im Refrain einen Ohrwurm an, den man nicht so schnell vergisst. Für kleine Details und den runden Sound am Ende holte sich Mosaik auf Wegen Dir noch zusätzlich seinen Live-DJ 1eighty ins Boot. Zusammen mit dem vorangehenden Song Neben Mir auf jeden Fall das Highlight auf Cyan-Rot.

Einmal mehr beweist der Regensburger auf Cyan-Rot, dass er nicht nur ein guter Musiker und Rapper ist, sondern vor allem auch ein sehr kreativer Kopf. Auf „Faded“ setzt Mosaik hierzu ein Statement, lässt prägnant seine Musikkarriere passieren und rechtfertigt seinen individuellen Sound dadurch, dass ihm die herkömmlichen Hip-Hop-Beats einfach „zu langweilig“ waren. Dies wird auch schon bei den ersten Takten der Platte deutlich, die ein 15 sekündiges, losgelöstes Intro umfassen. Ähnliche Muster ziehen sich durch alle Tracks der EP, was – wie bereits angesprochen – einen hohen Spannungsfaktor liefert. Ein Cut im gleichen Stil (eigentlich sogar mehrere) lassen sich auch im selbstproduzierten Outro finden, wo der Oberpfälzer den Beat stückweise gegen

Ende abbaut, um ihn sukzessiv wieder mit neuen Elementen aufzubauen und zu Ende zu führen. Was das Arrangement betrifft ist das Outro hierdurch unbestritten ein Highlight.

Cyan-Rot ist in meinen Augen nicht weniger, als ein klarer Fingerzeig Mosaiks. Der gebürtige Weidener, der sich bisher doch so stark durch seinen eigenen Stil und inhaltsschwere, starke Texte von anderen abhob und ins Rampenlicht katapultierte, beweist auf dieser EP auch sein Talent als Produzent und erschafft damit ein Album von sehr, sehr hohem kreativen Wert. Hierbei macht es durch die abwechslungsreiche Songgestaltung Spaß, das Album zu hören und sich tiefer damit zu befassen. Auch gibt der Student auf Cyan-Rot wieder deutlich mehr Kostproben seiner technischen Fähigkeiten Preis – man kann sehr deutlich erkennen, dass ich es mit einem Musiker zu tun habe, der weis, was er tut – und dies schon seit knapp acht Jahren.
Auch die Gastbeiträge (Cover, Beats von AREAH und zwei Jhange-Features) wissen zu überzeugen und runden die Platte ab.

Fazit:

Nachdem es nach Charakter zum Mitnehmen musikalisch sehr ruhig um den Regensburger Rapper wurde, nahm sich Mosaik nach seinem ersten Believe-Digital-Release Dreidimensionalkeine Auszeit und stellte mit Cyan-Rot ein unglaublich abwechslungsreiches und spannendes Album auf die Beine. Obgleich deutliche Parallelen zu Dreidimensional zu finden sind, hebt sich die Platte in ihrem Klang ganzheitlich ab und kreiert in voller Länge eine gewisse Eigendynamik, wie man es von Mosaiks anderen Veröffentlichungen kennt. Der junge Musiker weis auch hier auf voller Linie zu überzeugen und rechtfertigt die Lorbeeren, die er 2018 erhalten hat. Er unterstreicht damit seinen Stil und scheint sich wohl zu fühlen in der Soundnische, die er bedient.

Cyan-Rot wird Anfang September 2019 erscheinen. Wie Mosaik uns verraten hat, wird es zu einem Song auch wieder ein Musikvideo geben. Anschließend kann man das Album entweder geringfügig erwerben oder kostenlos downloaden. Auch auf Spotify, Apple Music und Deezer wird die EP zu hören und streamen sein.

Tracklist:

01 – Fehler Reprise (Manchmal), prod. AREAH & Mosaik
02 – Neben Mir, prod. Mosaik
03 – Wegen Dir feat. Jhange, prod. Mosaik & 1eighty
04 – Faded, prod. Mosaik
05 – Ozean feat. Jhange, prod. AREAH & Mosaik
06 – Ich & Du, prod. Mosaik

 

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